MIT und RACDJ bei Kramski

Datum des Artikels 08.05.2019

◆ Vize-Präsident des Europaparlaments warnt vor Machtstreben.
◆ Dr. Rainer Wieland MdEP sieht Mittelständler wie Kramski als Motor der Wirtschaft.

Das leidenschaftliche Plädoyer von Rainer Wieland für Europa konnte gestern niemand überraschen. Schließlich ist der CDU-Politiker seit 1997 im Europaparlament und seit 2009 sogar dessen Vizepräsident. Doch bemerkenswert war, wie offen Wieland über Stärken und Schwächen der Europäischen Union referierte. Hintergrund war ein Besuch des regionalen CDU Arbeitskreises Christlich-Demokratischer Juristen und der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Enzkreis/Pforzheim beim Präzisionstechnikunternehmen Kramski auf der Wilferdinger Höhe. Der innovative Mittelständler, 1978 von Wiestaw Kramski gegründet, ist mittlerweile in Deutschland, Sri Lanka, Indien und den USA tätig. Die Kramski-Gruppe beschäftigt über 900 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 110 Millionen Euro.
Unternehmerpersönlichkeiten wie Wiestaw Kramski prägten die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands, erläuterte Wieland. Und gerade dieser erfolgreiche Mittelstand klage zurecht über die ausufernde Bürokratie. Das sei zuletzt bei der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DGSVO) deutlich geworden, aber auch bei vielen Richtlinien und Verordnungen auf europäischer Ebene. Dennoch sei längst nicht alles schlecht, was in Brüssel und Straßburg beschlossen werde. Ganz im Gegenteil: „Wir haben am meisten zu verlieren, weil wir Deutschen von Europa am meisten profitiert haben.“ Was auf europäischer Ebene erschaffen worden sei, habe Maßstäbe gesetzt: „Wir leben seit 70 Jahren in Frieden“, sagte Wieland und erinnerte an die Zeiten, als Deutsche und Franzosen sich als Erbfeinde in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs gegenüberlagen. Ein Besuch in der Gedenkstätte Hartmansweiler Kopf in den Vogesen sei Pflicht, wo im Ersten Weltkrieg fast 30 000 französische und deutsche Soldaten ums Leben gekommen sind. Europa müsse seine Interessen weltweit artikulieren, mahnte der Parlaments-Vizepräsident. „Wir müssen entscheiden, ob wir weiter mit am Tisch sitzen wollen oder nur auf der Speisekarte stehen“, sagte Wieland mit Blick auf das Machtstreben Chinas und das gigantische Projekt der Neuen Seidenstraße. Er mache sich deshalb gehörige Sorgen. „Die Chinesen schaffen Fakten, während wir in Deutschland über alte Seitenstraßen diskutieren.“ Aber Europa müsse sich mit einer Stimme für die Einhaltung von Umweltschutz, Arbeits- und Verbraucherrechten einsetzen. „Die Chinesen fragen nicht nach Menschenrechten“, erklärte Wieland dazu.
Ein freier Welthandel sei wichtig. Und kein Verbraucher sei bislang von einem Chlorhähnchen erschlagen worden, wie es viele Panikmacher angesichts des Ceta-Freihandelsabkommens prophezeit hätten.
Was den Brexit angeht, vertrat der Europapolitiker eine klare Einschätzung: Es werde wohl auf ein zweites Referendum hinauslaufen. Die Briten müssten die Suppe aber jetzt allein auslöffeln und hätten das Recht, trotz der jahrelangen Wirrungen ihr Volk ein zweites Mal über den Brexit zu befragen. „Wenn man nicht ein zweites Mal fragen dürfte, wären viel weniger Menschen verheiratet“, scherzte Wieland.
Deutschland habe von der Gemeinschaftswährung profitiert, sagte Wiestaw Kramksi und erinnerte an die Abwertungstendenzen früherer Jahrzehnte mit gewaltigen Nachteilen für die deutsche Wirtschaft. Die Bürokratie erschwere indes viele Vorhaben – das habe zuletzt beim Bau des Berliner Flughafens gesehen.

Quelle: pz-news.de 07.05.2019

Text. Lothar Neff